Sonntag, 11. März 2012

Donnerstag, 8. März 2012

Wenn das Krankenhaus krank macht

Die Aera der Killerkeime

Eigentlich wollte er gerade zu einer steilen Schauspielerkarriere durchstarten. Doch dann kam der Motorradunfall, und das Leiden begann für den damals 24-jährigen Guillaume Depardieu. Der Sohn von Gérard Depardieu musste sich einer Knieoperation unterziehen und infizierte sich unheilbar mit dem gefürchteten Krankenhauskeim MRSA (methicillinresistenter oder auch multiresistenter Staphylococcus aureus), dem mit gängigen Antibiotika kaum noch beizukommen ist.
Acht Jahre und 17 Operationen später entschied er sich, seinen unerträglichen Schmerzen ein Ende zu bereiten und ließ sich das Bein amputieren. Gesund war er deswegen noch lange nicht: Im Oktober 2008 verstarb Depardieu an den Folgen einer Lungenentzündung – auch diese war letztlich auf den Keim zurückzuführen.

Quelle / Volltext: www.stefanie-reinberger.de

Mittwoch, 7. März 2012

Aktuell: Keime in Herne / Recklinghausen

iphone 4S Gewinnspiel
Von einem Patienten wurde uns der folgende aktuelle Fall geschildert:

Im Rahmen einer Schmerztherapie wurde der männliche Patient im St.Anna Krankenhaus in Recklinghausen behandelt, er erhielt eine Injektion ien LWS-Bereich.

Einige Tage nach seiner Entlassung verspürte dieser Patient Schmerzen im rechten Oberschenkel und suchte deshalb seinen Hausarzt auf, der ihn sofort in die nächste Klinik einwies.

In der Klinik in Recklinghausen wurde noch am Abend eine OP durchgeführt, der Oberschenkel wurde geöffnet, es wurde eine Drainage gelegt und mittels einer Vakuumpumpe wurde die aufgestaute Flüssigkeit aus der Wunde abgesaugt.

Alle drei Tage erfolgte unter Vollnarkose eine Nachschau, jedesmal wurden Abstriche / Laboruntersuchungen gemacht.

Die Wundheilung erfolgte nur ganz langsam, aber sie erfolgte !

In der dritten Woche wurde erneut eine Laboruntersuchung durchgeführt, diesmal mit dem Ergebnis: Keime !!!

Der zweite in dem Krankenzimmer liegende Patient wurde sofort verlegt, es wurden für das Personal besondere Hygienemassnahmen angeordnet.

Besucher dürfen diesen Patienten im Moment nur noch mit angelegter Schutzkleidung besuchen.

Nach 35 Tagen Krankenhausaufenthalt konnte die Wunde im rechten Oberschenkel endlich geschlossen werden, der Keim war offenbar besiegt.

Nach 37 Tagen Krankenahsuaufenthalt verspürte der Patient Spannungsgefühle / Schmerzen im linken Unterschenkel.

Die Ärzte teilten ihm mit, dass man jetzt einen neuen Keim, einen Hautkeim, festgestellt hätte.

Heute ist der siebenundvierzigste Tag, in 2 Tagen soll der Patient entlassen werden. Die letzten Abstriche kamen als negativ aus dem labor zurück, laut der Oberärztin sieht die Wundheilung am Oberschenkel auch gut aus, man könne jedoch nicht ausschliessen, daß noch Keime im Oberschenkel verblieben sind. iphone 4S Gewinnspiel
Fortsetzung folgt.

Dienstag, 6. März 2012

Keime im Trinkwasser ?


Unser Trinkwasser ist von allerhöchster Qualität - so sind in der Regel die Aussagen der regionalen Wasserwerke.

Die Gefahr droht aber von Coliforme Keimen, von Mikroorganismen wie Enterobacteriaceae, Yersinien, Salmonellen, Legionellen, Clostridium perfringens (einschließlich Sporen) Pseudomonas aeruginosa, Enterokokken (Fäkalstreptokokken), Escherichia coli (E.coli),

Die Wahrheit ist daher jedoch, dass die installierten Filteranlagen technisch gar nicht darauf eingerichtet sind, Viren und Keime herauszufiltern. Und was durch Filter nicht gefiltert wird ist demnach auch nicht vorhanden.

Die Wahrheit ist jedoch, dass Tag für Tag ungeheure Mengen von menschlichen Exkrementen wie auch von nicht benutzten Arzneimitteln durch die Toiletten entsorgt werden, dass die Landwirtschaft die mit multiresistenten Keimen verseuchte Gülle auf die Felder ausbringt, von wo aus die Keime ins Grundwasser und über den Weg der Trinkwassergewinnung in unserem Trinkwasser landen.

Da sehr viele Menschen resistente Keime in sich tragen, ohne akut daran zu erkranken, kommen auch über den Weg der Ausscheidung diese Keime in den Wasserkreislauf.

Die führenden Biochemiker warnen seit langem davor - aber laut den verantwortlichen der Wasserversorger ist unser Trinkwasser ja von höchster Qualität !!!

In zahlreichen Untersuchungen wurde auf die Gefährlichkeit des verkeimten Trinkwassers hingewiesen, sehen sie hier dazu die Berichterstattung der Sender:

www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517006?s=Keime+

MRSA die unsichtbare Gefahr

Mikroorganismen im Trinkwasser

Montag, 23. Januar 2012

Forum

Ein interessantes Forum finden Sie hier

Wikipedia

eblinks
Commons: Staphylococcus aureus – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien


Antibiotikaresistenznetzwerk Südwest
MRSA net, Seite mit zwei Bereichen für Öffentlichkeit und Fachpersonal
MRSA Netzwerk Ostwestfalen – Lippe, Seite mit Bereichen für Fragen von Angehörigen und Betroffenen
Infoseite der Uni Köln zu MRSA
Der wichtigste Erreger im Zusammenhang mit der chronischen/rezidivierenden Furunkulose
MRSA: Neuer Problemkeim www.sueddeutsche.de, vom 17. Januar 2008
SARI Antibiotika-Anwendung und Resistenzentwicklung auf deutschen Intensivstationen
New Strategy Cracks Staph Bacterium's "Golden Armor," Making It Vulnerable To Treatment
www.badische-zeitung.de, Ratgeber Gesundheit und Ernaehrung, 6. September 2010, Michael Brendler: Problemkeime im Krankenhaus mit Übersicht zu Fallzahlen in Südwest-Baden-Württemberg im Jahr 2010
Staphylococcus aureus – Krankenhauskeim mag menschliches Blut, bei Spiegel.de
Telepolis 16. April 2011: USA: Fleisch und Geflügel in hohem Maß mit multiresistenten Bakterien kontaminiert

MRSA Keime bei Nutztieren in der Schweiz

MRSA Keime bei Nutztieren in der Schweiz

MRSA ist eine von mehreren möglichen Infektionen, die durch antibiotika-resistente Bakterien verursacht werden. Aus dieser Resistenz resultieren die schlechte Behandlungsmöglichkeit, eine hohe Morbilität (Erkrankungsziffer) und Mortalität (Todesfallrate). Im Volksmund spricht man von "Superkeimen" oder auch "Krankenhauskeimen". Die Aussagen für MRSA treffen in weiten Teilen auch für andere resistente Bakterienstämme ESBL, VRE, MRSE, Acinetobacter, Clostridium difficile, Pseudomonas besonders jedoch auf ORSA / VRSA und LRSA (MRSA mit Linezolid-Resistenz) zu. Lange Zeit war MRSA der häufigste Krankenhauskeim. Inzwischen haben ESBL und VRE bei rasanter Ausbreitung fast das gleiche Ausmaß erreicht. Im Berliner Raum lagen ab 2009 die ESBL-Fallzahlen schon über MRSA. Man schätzt, dass etwa 80% aller nosokomialen Infektionen durch Bakterien hervorgerufen werden. Pilze (vorwiegend Candida und Aspergillus) verusachen etwa 12% und Viren (vorwiegend Noroviren, Rotaviren, Adenoviren sowie Hepatitis) etwa 8% der Erkrankungen.




Link

EBSL Keime

EBSL Wostehen wir heute ???
http://www.blogger.com/img/blank.gif

Seit Ende der 1990er Jahre treten, bedingt durch übermäßigen Einsatz von „Billig-Antibiotika“, im gramnegativen Bereich vermehrt Keime auf, die Beta-Laktamasen mit erweitertem Spektrum bilden. Die dadurch bedingte Resistenz stellt für Kliniker eine große therapeutische Herausforderung dar. Über den richtigen Umgang mit diesem Problem informiert Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Graninger.

www.infektionsnetz.at

Weitere Informationen über Hygienerichtlinien der Abteilung für Krankenhaushygiene (Leitung: Univ.-Prof. Dr. W. Koller): http://

ESBL Keime

"Viele Infektionen wären vermeidbar"

Multiresistente Keime sind immer mehr ein Problem in deutschen Kliniken. In Bremen starben in den vergangenen Monaten drei Frühchen an einer ESBL (Extended Spectrum Beta-Laktamase)-Infektion. Neben einer besseren Hygiene-Politik brauchen wir vor allem neue Medikamente, sagt Hygiene-Experte Popp im tagesschau.de-Interview.


Interview zu EBSL Keimen

Samstag, 21. Januar 2012

Spendeneingang

Wir bedanken uns bei Frau Helene Wirt für die Spende von 30 EURO.

Der Betrag wird für den Ausbau dieses Informationssystems verwendet werden.

Wenn auch Sie unsere Arbeit unterstützen und einen Betrag spenden möchten so nutzen sie bitte die ausgewiesene Bankverbindung.

Ziesch

Landwirte sind oft Überträger

Multiresistente Keime - Problemfall Massentierhaltung

Eine Untersuchung an über 40 Krankenhäusern in Niedersachsen hat ergeben, dass viele Landwirte multiresistente Keime in sich tragen. Diese Keime entstehen durch Massentierhaltung und die damit verbundene hohe Antibiotikagabe. Probleme können dann entstehen, wenn multiresistente Keime mit Krankenhauskeimen zusammenkommen und mutieren.

Quelle / Volltext / Video Radio Bremen

Wie kommt der Keim aufs Hähnchen?

Die Bakterien-Bomben aus dem Supermarkt: Bei einem Test des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden auf jedem zweiten Hähnchen aus Supermärkten und Discountern antibiotikaresistente Keime gefunden.

Auf 10 von 20 in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und in der Region um Stuttgart gekauften Fleischproben wurden sogenannte ESBL-Keime gefunden worden. Zwei Proben waren mit MRSA-Keimen belastet, teilte der BUND mit.

Wie kommt der Keim aufs Hähnchen?

Quelle / Volltext: Bild

http://www.sueddeutsche.de/wissen/massentierhaltung-haehnchenfleisch-mit-resistenten-keimen-verseucht-1.1253338

http://blogs.scientificamerican.com/observations/2010/03/22/french-hospitals-make-progress-in-battle-against-mrsa-through-large-scale-prevention-and-monitoring/

Mittwoch, 17. August 2011

Ohne Gegenwehr


Tückischer Feind. Jedes Jahr infizieren sich 600 000 Menschen in Deutschland mit dem MRSA-Erreger. Der ist resistent gegen Antibiotika und verbreitet sich vor allem in Kliniken.
Tückischer Feind. Jedes Jahr infizieren sich 600 000 Menschen in Deutschland mit dem MRSA-Erreger. Der ist resistent gegen Antibiotika und verbreitet sich vor allem in Kliniken....

Ihr Mann lag 200 Tage lang auf der Intensivstation, künstlich beatmet, künstlich ernährt und seine Lunge voller Wasser. „Der Keim hat ihn umgebracht“, sagt Ingeborg Henz und meint einen Erreger namens MRSA. Er gilt als Krankenhauskeim und tötet jedes Jahr tausende Patienten

Vor einer Woche hat sie ihr Tagebuch verbrannt – ganz hinten im Garten, in einer Abfallgrube. „Es tat gut loszulassen“, sagt Ingeborg Henz, 70, eine zarte Frau, die viel schmaler ist als die schlanke Zeder hinter ihr. Die Asche hat der Wind längst weggetragen. Sie blickt auf den schwarzen Fleck, der übrig geblieben ist. „Ich will noch einmal neu anfangen“, hofft die Witwe, „mein Mann hätte das auch so gewollt.“

Papier lässt sich verbrennen, Erinnerungen nicht. Das weiß die Rentnerin. Trotzdem versucht sie, die Bilder und Ängste auf ihre Weise loszuwerden. 200 Tage lang lag ihr Mann in der Nähe von Duisburg auf einer Intensivstation, künstlich beatmet, künstlich ernährt, seine Lunge voller Wasser.

In ihrem Tagebuch hat sie die Monate der Verzweiflung protokolliert. „Er ist regelrecht verfault“, erzählt Ingeborg Henz, und ihre stahlblauen Augen blitzen metallisch auf. „Der Keim hat ihn umgebracht.“

Sie nennt ihn immer nur „den Keim“ und ärgert sich darüber, wie wenig über seine Gefährlichkeit aufgeklärt wird. Die Ärzte nennen ihn methicillin-resistenten Staphylococcus aureus oder kurz: MRSA, ein aggressiver Ableger eines an sich harmlosen Erregers, den viele auf der Haut oder den Schleimhäuten tragen. Für Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder solche, die frisch operiert wurden, kann der Parasit lebensbedrohlich werden. Denn gängige Antibiotika, früher die beste Waffe gegen Krankenhauskeime aller Art, können ihm nichts mehr anhaben. Zu verschwenderisch ist der Umgang mit Antibiotika in Arztpraxen, die Erreger haben sich angepasst und aufgerüstet. In Kliniken, in denen Hygienemanagement ein Fremdwort ist und beim Putzen nicht so genau hingeschaut wird, fühlen sich die gefährlichen Keime besonders wohl. Häuser mit Bakteriennestern gibt es quer durch die Republik. Jährlich infizieren sich in Deutschland mindestens 600 000 Menschen mit Krankenhauskeimen, geschätzte 15000 sterben an bakteriellen Infektionen, etwa zehn Prozent davon durch MRSA. Und auch Kliniken machen ihre Patienten immer wieder krank, bei denen es vorher keinerlei Beanstandungen gab.

Mit ihrem Frust über die tödliche Schlamperei ist Ingeborg Henz nicht allein. Sie hat in der Zeitung gelesen, dass sich einige Leidensgenossen verbündet haben. Alle ein, zwei Monate kommen in Duisburg ein knappes Dutzend Hinterbliebene zusammen, die um ihre Liebsten trauern, weil der Erreger stärker war als die Medizin. Es ist die einzige MRSA-Selbsthilfegruppe der Republik, sie trifft sich in einem funktionalen Besprechungszimmer im Erdgeschoss eines Duisburger Altenheims. Gleich am Eingang steht ein Spender mit Desinfektionslösung, er wird oft benutzt an diesem Montagnachmittag.

Zwischen Yuccapalme, Flipchart und Aquarellen treffen sich hier Menschen, die eint, dass etwas sehr Beiläufiges den Tod in ihr Leben getragen hat. Zuerst haben sie nicht verstanden, warum. Schicksale werden aufgerollt. Sie machen das Versagen des Gesundheitssystems erschreckend plastisch.

Ganz in sich gekehrt sitzt da unter den anderen ein älterer Herr, dessen Frau an der Wirbelsäule operiert wurde. Der Eingriff war Routine, was danach kam die Hölle. Die Wunde wollte zu Hause nicht heilen, der Eiter fraß sich fest, und die Schmerzen hörten nicht mehr auf. Mit dem Notarzt kam die Rentnerin in ein anderes Krankenhaus, wo plötzlich ein Schild an der Tür hing: „MRSA-Patientin“. Ihr Zustand verschlechterte sich weiter, es versagten die Nieren, die Leber, und schließlich gab auch das Herz auf. „Sie hat sich den Keim vermutlich bei der Rücken-OP eingefangen“, mutmaßt der Witwer, „zwei Zimmer weiter lag eine Infizierte.“ Was den 72-Jährigen am meisten ärgert: „Bis heute wird verschwiegen, woran meine Frau verstorben ist.“

Bärbel Bas senkt den Altersdurchschnitt der Runde an diesem Nachmittag. Die SPD-Bundestagsabgeordnete ist in Sachen Krankenhauskeime ausgesprochen kompetent. Die 43-Jährige wird herzlich begrüßt, ihr wird gedankt, weil sie vor kurzem im Bundestag eine Brandrede für mehr Infektionsschutz im Krankenhaus gehalten hat. Ein letzter Versuch zu retten, was nicht mehr zu retten war. Die Regierung hat ein Gesetz beschlossen, das Anfang August in Kraft trat und nun von den Ländern in Verordnungen gegossen werden soll. Es verpflichtet Krankenhäuser, Hygienestandards einzuhalten, wie sie das Robert-Koch-Institut formuliert hat. Dazu gehört auch mehr Fachpersonal für Hygiene und Prävention in Kliniken.

Aber Bas meint: „Der Regierung hat der Mut gefehlt.“ Die Enttäuschung über das ihrer Ansicht nach viel zu lasche Gesetz ist der Frau im grauen Hosenanzug deutlich anzumerken. Sie spricht davon, dass es Jahre dauere, bis die Maßnahmen greifen. „Wir wollten verpflichtend Screenings bei der Aufnahme im Krankenhaus.“ Jeder neue Patient müsste auf MRSA getestet werden. Eine Forderung, die alle im Raum sofort unterschreiben würden. „Lasst uns auf die Straße gehen“, ruft eine der Rentnerinnen dazwischen. Andere nicken. „Alle reden über den Scheißgurkensalat, jedes Kind weiß über Ehec Bescheid, MRSA kennt kaum jemand“, mokiert sich einer, der die Attacke des Bazillus fast nicht überlebt hätte. „Ich war in sieben Kliniken, eine miserabler als die andere.“

Die Bitte aus der Ecke hinten links, nicht alle gleichzeitig zu reden, ist längst verhallt. Die Raumtemperatur nimmt zu, die Entrüstung Einzelner ebenso. „Daran müsste mal Frau Merkel erkranken, dann würde gehandelt werden“, raunzt ein älterer Herr. Vielleicht denkt man so, wenn nicht verwunden werden kann, dass der plötzliche Verlust des geliebten Menschen vermeidbar gewesen wäre. „Ich kenne nur wenige Kliniken, wo vor jedem Zimmer ein Desinfektionsmittelspender hängt“, ergänzt der Betreiber eines privaten Rettungsdienstes in Duisburg, der zu Gast ist in der Runde. Regelmäßig würden zwei Stationen in der Stadt geschlossen, fährt er fort, weil sich die Patienten reihum infizierten. Die Namen der Häuser behält er für sich.

Dabei ist es von hier aus gar nicht so weit, um auf garantiert MRSA-freien Boden zu gelangen. Eine gute Zugstunde entfernt, im Universitätsklinikum Münster, wird gemacht, was in ganz Deutschland gemacht werden sollte: Krankenhauskeime jagen. Das Kommando hat Frank Kipp, leitender Krankenhaushygieniker, der kräftig fremde Hände drückt, aber penibel darauf achtet, seine zu desinfizieren, bevor er zu einem Patienten geht. „Unser Ziel ist Prävention“, sagt der Mikrobiologe. In Münster werde jeder Patient gescreent, sagt er, und stolz schwingt in seinen Sätzen mit: Besser geht es nicht.

In der chirurgischen Unfallklinik auf der anderen Straßenseite führt ein Pfleger vor, wie simpel die Prozedur ist. „Nicht erschrecken“, warnt er und fährt mit Wattestäbchen einmal in die Nase, einmal in den Rachen. Wer MRSA-positiv ist, wird gut eine Woche lang isoliert.

So ist es der 46-jährigen Patientin ergangen, die nachts mit einem Bruch an der Wirbelsäule eingeliefert wurde. Die Nasensalbe, die eines der letzten Antibiotika enthält, das gegen MRSA wirkt, findet sie „eklig“. Den Rest, Gurgellösung und gründlich Waschen mit desinfizierender Seife, absolut erträglich. Etwas apathisch liegt die Patientin in ihrem Einzelzimmer – sie soll ferngehalten werden von der Welt und die Welt von ihr. Denn jeder, der sie besucht, muss sich vermummen. Mundschutz, Haube über die Haare, grüner Papierkittel sind Pflicht. „Das frisst Zeit“, sagt die Krankenschwester und versucht, das Rein und Raus aufs Nötigste zu reduzieren. Und was für Kliniken ebenfalls ein Kriterium ist: Die Quarantäne ist teuer, das zweite Bett im Zimmer kann nicht belegt werden.

Da fragen sich viele, ob der Aufwand berechtigt ist. Die Routineuntersuchung sei nicht immer leicht zu kommunizieren, räumt Kipp ein. „Die Patienten kommen wegen einer Hüftoperation und erfahren, dass sie einen Erreger in der Nase haben, der behandelt werden muss.“ Sie spürten nichts von dem Keim, nun haben sie plötzlich ein weiteres Problem.

Doch der Aufwand lohne sich, sagt der Arzt, rein rechnerisch, wenn man die möglichen Folgekosten bedenkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Keime heftig zuschlagen, ist hoch. Eine US-amerikanische Studie mit 209 frisch MRSA-Infizierten hat dokumentiert, dass mehr als ein Viertel der Patienten innerhalb von 18 Monaten an einer Blutvergiftung erkrankt. Die Zahl derer, die eine Lungenentzündung bekamen, liegt bei 56 Prozent. Meist wissen Ärzte zunächst nicht, welches Gegenmittel sie auf den Erreger ansetzen sollen, dann ist es auch für das richtige zu spät.

Abgeschaut hat sich die Uniklinik Münster ihr Hygienekonzept vom Nachbarland Holland, wo es die Keime ausgesprochen schwer haben zu überleben. Mit ihrer Nulltoleranzpolitik haben die Niederländer es geschafft, ihre MRSA-Rate extrem niedrig zu halten: unter drei Prozent. In Deutschland dagegen beträgt der Anteil von antibiotikaresistenten Staphylokokken-Stämmen rund 25 Prozent. Das heißt, jede vierte Infektion ist nicht oder kaum noch behandelbar.

Um die Verbreitung einzudämmen, ist 2009 ein groß angelegtes EU-Modellprojekt begonnen worden. Für Ingeborg Henz und ihren verstorbenen Mann kommen solche Kooperationen zu spät. „Warum wird der Tod so vieler Menschen billigend in Kauf genommen“, will sie wissen und hat sich dennoch dagegen entschieden, die Ärzte zu verklagen. „Zu nervenaufreibend, das zieht sich Jahre hin“, sagt sie. Und es bringe Horst, die große Liebe ihres Lebens, auch nicht mehr zurück. Sein Wollhut liegt noch auf der Garderobe im Duisburger Reihenhaus, sein Spazierstock aus Wurzelholz lehnt an der Tür zum Garten.

Samstag, 30. Juli 2011

Ausland

Niederlande - Deutschland

Das Projekt
Das EUREGIO -Projekt ist die Schaffung eines grenzübergreifenden Netzwerks in der Region Münsterland/Twente.

Auf deutscher Seite soll die MRSA-Rate erfasst und auf niederländisches Niveau gesenkt werden, auf niederländischer Seite der Zufluss von MRSA aus Deutschland und die Ausbreitung von CA-MRSA kontrolliert werden. EUREGIO soll die Grundlage für einen grenzübergreifenden Qualitätsverbund bilden, der durch Senkung der MRSA-Rate die medizinische Versorgung deutlich verbessern kann. Durch diese Kooperation und den Informationsaustausch innerhalb der EUREGIO kann das Projekt dazu beitragen die Hürden für einen freien grenzüberschreitenden Verkehr von Patienten und Personal im Gesundheitswesen zu vermindern. Durch eine Senkung der MRSA-Rate würde die Gesundheitsversorgung verbessert und könnte mittelfristig zu einem wichtigen Standortvorteil führen.

Weitere Informationen hier:
www.mrsa-net.org

Absurd: Immer mehr Patienten werden im Krankenhaus krank.




MRSA - Die verschwiegene Seuche

Besonders fatal ist die Ansteckung mit MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), einem gegen Antibiotika resistenten Erreger. Die Ursache: mangelde Sauberkeit in den Kliniken. Menschen, die sich mit MRSA schon bei medizinisch harmlosen Eingriffen infizieren, steht ein ungeheurer Leidensweg bevor.

Bei einem schwachen Immunsystem kommt es zu schweren Hautinfektionen, Muskelerkrankungen, lebensbedrohlichen Lungenentzündungen oder einer tödlichen Blutvergiftung. Einige Patienten verlieren Arme und Beine, weil sich die Infektion so rasant ausbreitet, dass nur noch eine Amputation ihr Leben retten kann. Der Arte-Themenabend Tatort Krankenhaus beleuchtet das Dilemma ausführlich in zwei Dokumentarfilmen – und offenbart erschreckende Zahlen und Schicksale.

Zu den prominenten Patienten zählt Gérard Depardieus Sohn Guillaume. 1995 während einer Knie-OP nach einem Motorradunfall drang der Krankenhauskeim in die Wunde ein. Heilung gab es nicht, weder durch 17 Operationen noch mittels Antibiotika. Acht Jahre später ließ sich die Nachwuchshoffnung des französischen Films das Bein amputieren. Doch vergebens: Während er sich bei Dreharbeiten in Rumänien aufhielt, erkrankte er an einer Lungenentzündung. Plötzlich ging alles ganz schnell. Am 13. Oktober 2008 starb Guillaume Depardieu im Alter von nur 37 Jahren.

Was ist sein Vermächtnis? Seine zornigen Auftritte im Fernsehen schärften das öffentliche Bewusstsein für die Gefahr der gegen Antibiotika resistenten Keime in Frankreich und sorgten für politischen Druck. Das französische Gesundheitsministerium, das zuvor nur ungern Zahlen zum Problem veröffentlichte, änderte 2003 seinen Kurs. Seither werden die Erkrankungen landesweit erfasst und publiziert. Und Patienten können nachlesen, wie aktiv ihr Krankenhaus im Kampf gegen die Killerkeime mitwirkt.

Die Reform zeigt heute Wirkung: Als einziges europäisches Land konnte Frankreich in den vergangenen fünf Jahren die Zahl infizierter Patienten reduzieren, während sich andernorts die Killerkeime weiterhin in den Krankenhäusern ausbreiten.

In Deutschland wird die Situation nach Ansicht von Experten unterschätzt: Jährlich infizieren sich 160.000 Patienten an deutschen Kliniken mit MRSA, 10.000 sterben daran pro Jahr. Zum Vergleich: Die Zahl der Aidstoten im vergangenen Jahr beläuft sich auf rund 550.

Wie die Ausbreitung von MRSA in den Kliniken bekämpft werden kann, zeigen die Niederlande. Dort werden alle Patienten bei der Aufnahme zuerst auf MRSA untersucht, um gegebenenfalls isoliert behandelt zu werden. Heute liegt die MRSA-Rate in den Niederlanden bei unter zwei Prozent, an deutschen Kliniken bei etwa 24 Prozent.

Vor einem Jahr lehnte das deutsche Gesundheitsministerium Meldepflicht und Maßnahmen auf Bundesebene ab und verwies auf die Länder. Ähnlich verfahren Kliniken. Infektionen werden verschwiegen, Infizierte verschoben, um für Kosten nicht aufkommen zu müssen. Klagende MRSA-Patienten müssen beweisen, wann sie sich wo infiziert haben.

Die beiden Filmemacher Monika Hielscher und Matthias Heeder haben Betroffene und Mediziner, Mikrobiologen und Hygieneexperten befragt - hier und in den USA, wo eine MRSA-Variante namens USA 300 wütet. «Alle 20 Minuten eine neue Mutation. Das ist Evolution im Zeitraffer» warnt ein Infektiologe.


Fast wie im Horrorfilm.

Ausland

In Vorbereitung

MRSA 1

MRE ein wachsendes Problem...
... vor allem für Kliniken, Alten- und Pflegeheime

Der Anstieg von Infektionen durch MRE (Multi-Resistente-Erreger) in Deutschland ist dramatisch. Neben dem unkritischen Einsatz von Antibiotika ist häufig die insuffiziente Umsetzung der prophylaktischen Hygienemaßnahmen und die fehlende Schulung des medizinischen Personals Grund für den starken Anstieg der MRE-Besiedlung von Patienten in deutschen Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen. Dabei verlängern MRE-Infektionen die Liegedauer von Patienten und erhöhen deren Morbidität und Mortalität.

Ein konsequentes und systematisches Hygienemanagement kann die Verbreitung von MRE effektiv reduzieren.

Herzlich Willkommen

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